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Ausgabe Februar 2002
  MICK VINCENZ
Da ist Musik drin!
von Sven Drühl
 
Mick Vincenz


"Anubis" Johannes Brus,
Kunstverein Essen / NRW



Li Hagman 2001

 

Im Kulturbetrieb gibt es immer wieder unverbesserliche Idealisten, die etwas hauptsächlich um der Sache willen machen. Zu diesen gehört zweifelsfrei der Essen / NRWer Fotograf Mick Vincenz (geb. 1967). Ein Maniac wie er lässt gerne ökonomische Zwänge außer Acht, wenn ihn ein Projekt reizt, notfalls wird dann dieganze Nacht durchgearbeitet, um den einzig wahren Schuss hin zu bekommen oder den richtigen Augenblick bzw. das beste Detail auf Fotofilm festzuhalten. Dabei reicht sein Spektrum von klassischen Portraits bis zu Mode- und Architekturfotos. Außerdem wagt er sich an einen Bereich, den viele professionelle Ablichter explizit scheuen, weil er den eigenen Stil und den sicheren Blick voraussetzt wie kaum ein anderer: Das Ablichten von Werken der bildenden Kunst. Schlägt man Kataloge zeitgenössischer Kunst auf, stößt man immer öfter auf den Namen Vincenz, was wohl nicht zuletzt auf die langjährige, sehr intensive Zusammenarbeit mit dem Essen / NRWer Künstler Carl Emanuel Wolff zurückzuführen ist. Mit Wolff, der 1996 deutscher Vertreter auf der Biennale von Sao Paula in Brasilien war, verbrachte Vincenz mehrere Monate in der Millionenstadt, in denen er nicht nur die Kunst vor Ort, sondern insbesondere auch die ganze Stimmung um die größte südamerikanische Kunstschau samt Aufbau, diversen Eröffnungenund eben den beteiligten Menschen dokumentierte. Das Ergebnis ist ein eindringliches Buch, das weitaus mehr istals ein einfacher Kunstkatalog.

Derzeit arbeiten Vincenz und Wolff, nachdem sie auf der Art Cologne im Jahr 2000 erste gemeinsame Arbeiten in der renommierten Stuttgarter Galerie Manus Presse vorstellten,an einem vom Bonner Kunstfonds geförderten Buchprojekt mit dem Arbeitstitel "Essen / NRW - Habana", das Ende des Jahres veröffentlicht werden soll.Neben seiner Tätigkeit als Fotograf für diverse Agenturenund der Arbeit an den eigenen Fotoserien unterrichtet Vincenz als Lehrbeauftragter die Studenten der Hochschule für bildende Kunst in Dresden. Thema: "Fotografie - Bildhauerei".Und das alles ohne Lehre oder Diplom. Als reiner Autodidakt beweist Vincenz, dass es nicht auf Abschlüsse oder Titel, sondern lediglich auf die Liebe zur Sache und den Willen zur intensiven Auseinandersetzungmit der Materie ankommt. Ganz gemäß dem Beuys'schen Motto:Wer nicht denken will, fliegt raus.
Die Abwandlung lautet: Wer das Detail nicht ehrt, kann gehen.



Essen / NRW 2001
 
Lisa Vincenz 2001